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Adam Ondra hat die Dawn Wall Wand in nur 8 Tagen bezwungen

Von 11 Monate
Bergsteigen
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Adam Ondra hat die Dawn Wall Wand in nur 8 Tagen bezwungen

Prag/Yosemite 22. November 2016 – Heute, um halb eins Uhr morgens unserer Zeit hat Adam Ondra die Dawn Wall Wand, die als eine der schwierigsten Mehrseillängen der Welt bekannt ist, im freien Klettern bezwungen. Es handelt sich um das zweite Freiklettern dieser Wand der Welt. An der fast einen Kilometer langen Steilwand verbrachten er und sein Begleiter Pavel Blažek insgesamt 8 Tagen. Den bisherigen Aufstieg hat Ondra so um 11 Tage überwunden und hat dadurch die Grenzen des Machbaren wieder ein Bisschen verschoben. Zwei Monate nach dem Erfolg bei der Weltmeisterschaft in Schwierigkeitsklettern feiert Ondra also einen nächsten Triumph.

Die Dawn Wall, eine fast einen Kilometer lange Steilwand des Massivs El Capitan in Yosemitte Nationalpark und die bisher wohl schwierigste große Felswand der Welt, hat Ondra mit seinem Begleiter Pavel Blažek am 14. November um 2:46 morgens Lokalzeit „angefangen“. Nach acht Tagen, am Montag den 21. November um 15.30 Lokalzeit, war er am Ende, und hat damit das zweite Freiklettern dieser Wand beendet. Seine Geschwindigkeit war, wenn man erwäget, dass er eher ein Neuling an großen Wänden ist und in Yosemite zum ersten Mal geklettert hat, sensationell.

„Es ist wie am Weihnachten. Wir haben dort oben bis zum ersten Baum geklettert und es begann zu schneien. Da war es mir klar, dass mein Traum in Erfüllung ging. Das perfekte Timing,“ so beschrieb Adam die ersten Gefühle nach dem Klettern.

Das Klettern erfolgte als ein sog. „Single Push“. So wird das Klettern ohne Unterbrechung, lediglich mit nötigen Übernachtungspause an der Wand bezeichnet. Der Begriff „Freiklettern“ bedeutet dann die Art und Weise von Klettern, bei der die Sicherungsgeräte wie das Seil, Keilen, oder Haken zur reinen Sicherung vor dem Absturz, jedoch nicht als Hilfe zum Vorankommen benutzt werden. „Nach oben kommt man nur mit eigener Kraft, mithilfe von Griffen und Unebenheiten, die der Fels bietet,“ erklärte Adam Ondra in einem früheren Bericht. Dieser Stil wird bei Bergsteigern als der saubere und wertvolle betrachtet, denn beim Klettern, wie bei vielen anderen Sportarten, geht es nicht nur darum was sie erreichen, sondern vor allem darum wie sie es erreichen. Das ist der Unterschied zum sog. technischen Klettern, bei dem man die Sicherungsgeräte auch beim Vorankommen benutzt.

Ondra hat mit einem schnellen Aufstieg begonnen und in den ersten zwei Tagen hatte er 13 von den gesamten 32 Längen hinter sich gelassen. Um es noch schwieriger zu haben, kletterte er wegen der herrschenden Hitze vor allem in der Nacht. Nach einem Tag für Erholung im speziellen Zelt, der am Fels hängt, während sich die Hitze mit Schnee und schlechtem Wetter ausgewechselt haben, erwartete ihn am vierten Tag die schwierigste Länge und auch sein Unglückstag. Die 14. Länge stellte das einzige Problem in dem glatten Aufstieg dar. Nach sieben erfolgslosen Versuchen musste Adam Ondra den Tag beenden und hoffen, dass der Nächste besser wird. Am Ende des vierten Tages sagte er: „Heute habe ich sehr schlecht geklettert. Ich war zu nervös, stand zu sehr unter Druck. Ich brauchte sieben Versuche um eine Stelle zu überwinden, die ich nie als problematisch betrachtet habe.“

Bereits am nächsten Tag war er aber wieder gut in Form und schaffte die beiden schwierigsten Längen des ganzen Weges – die Nummer 14. und 15. Für den sechsten Tag bleib die komplizierte 16. und dazu noch fünf weiteren Längen. Weil Ondra keine von den übrigen 11 Längen für ein Problem gehalten hat, ahnten die Eingeweihten bereits, dass es ein Erfolg sein wird. Wegen der schlechten Wettervorhersage musste Ondra jedoch den gut angefangenen Tag beenden und ins Zelt im Basislager zurückkehren. Dort verbrachte er mit Pavel, unfreiwillig sich erholend, schließlich den ganzen siebten Tag. Als ob wollte der Felsen ihren Besuch noch ein wenig länger genießen.

Es regnete auch am Montag morgen, aber Adam war entschlossen den Aufstieg zu beenden. Während sich das Wetter verbesserte schaffte er in einer unglaublichen Geschwindigkeit 7 Längen in fünf Stunden und danach noch die restlichen vier. Keine drei Stunden später stand er dann auf dem Gipfel und er feierte den Erfolg, der zu einem neuen Meilenstein in der Geschichte des Bergsteigens geworden ist.

 

WEITERE INFORMATIONEN UND ANMERKUNGEN:

Was macht Adams Besteigung so wichtig?

Dawn Wall gilt als die schwierigste große Steilwand der Welt. Zum ersten Mal wurde sie im Januar 2015 frei geklettert, was einen Durchbruch in der Geschichte des Bergsteigens bedeutete. Den Bergsteigern Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson, die den Aufstieg nach 19 Tagen erfolgreich beendet haben, gratulierte sogar Präsident Obama und sie wurden zu Mainstream-Promis. Adam Ondra ist einer der besten Bergsteiger der Welt und ist schon der zweite, der diesen Weg frei geklettert hat. Das schaffte er sogar in unglaublichen 8 Tagen. Es bedeutet eine Erweiterung der Möglichkeiten des Bergsteigens.

Eine gute 3D-Skizze der Wand machte NYtimes.com; man kann sie hier online sehen.

Was bedeutet Freiklettern?

Beim Klettern geht es, wie in vielen anderen Sportarten, nicht nur darum, dass Sie etwas erreichen, sondern viel mehr darum WIE Sie es erreichen. Adam Ondra zielt auf den Kletterstil, der bei Bergsteigern als Singe Push und Freiklettern bezeichnet wird. Es geht darum, dass:

Single Push, oder auch Klettern auf einen Schlag, bedeutet, dass seit dem Anfang des Kletterns darf Adam die Wand nicht verlassen. Auch die Übernachtungen finden an der Wand in speziellen Zelten (sog. Portaledge) statt. In den Tagen vor dem Aufstieg haben deswegen Adam und sein Begleiter Pavel an die Wand genug Essen und Wasser gebracht, und sie haben ein Basislager errichtet.

Freiklettern besteht darin, dass man verschiedene Sicherungsgeräte, wie z. B. das Seil, Keilen, oder Haken nur als Sicherung vor dem Absturz und nicht zum Vorankommen benutzt. „Nach oben kommt man nur mit eigener Kraft, mithilfe von Griffen und Unebenheiten, die der Fels bietet,“ erklärte Adam. Das ist der Unterschied zu sog. technischen Klettern, bei dem die Sicherungsgeräte auch zum Vorankommen verwendet werden.

Wie sieht das Leben an der Wand aus?

Der ununterbrochene Aufenthalt an der Wand ist sowohl physisch, als auch psychisch anstrengen. Das Basislager war ungefähr in der Mitte der Wand, darunter noch 400m Steilwand. Adam Ondra und sein Begleiter Pavel Blažek haben beide beschrieben wie erschöpfend es ist, in einer solchen Höhe zu sein. Die ständige Konzentration ist unentbehrlich, für Fehler gibt es keinen Platz. Während des Aufstiegs haben sie in speziellen Zelten geschlafen, wo sie auch kochen mussten. Das Essen und Wasser haben sie sich schon im Voraus geholt, die Gerichte waren aber sowieso sehr einfach – Haferbrei, getrocknete Früchte, Energieriegel, zum Abendbrot Kartoffelbrei aus der Tüte usw.

Um sich an der Wand ins und aus dem Basislager bewegen zu können haben sie spezielle Hilfsmittel benutzt. Auf Deutsch ist es sog. „Jümarn“ (englisch jumaring, jugging). Hierfür werden zwei Steigklemmen benötigt, die auf dem Kletterseil hochgleiten und der Bergsteiger balanciert zwischen denen. Wie so ein Jümarn aussieht zeigt Adam in diesem Video.

Adam Ondra (23 Jahre alt)

Tschechischer Bergsteiger, der heutzutage als der beste der Welt gilt. Seit seinem 12. Lebensjahr gehört er zu den Kletterprofis. Im Jahr 2009 konnte er zum ersten Mal an einem Wettbewerb für Erwachsene teilnehmen und seitdem hat er viele Preise bekommen (Liste der wichtigsten Preisen, siehe unten). Neben Wettbewerben widmet sich Ondra auch dem Sportklettern an Felsen. Bei dem konzentriert er sich in den letzten Jahren vor allem auf die schwierigsten Kletterrouten. Dazu gehört auch die Route Change in Flatanager-Höhle (9b+), die Adam selbst gebaut hat, La Dura Dura (9b+), La Capella in Siurana in Spanien (9b), Caxiraxi in Oliana (9b) – an allen diesen Routen war Adam der Erste, der sie geklettert hat. Im Herbst dieses Jahres fuhr er zum ersten Mal auch nach Amerika in den Yosemite-Nationalpark. Dort hat er in 8 Tagen die Dawn Wall erfolgreich bezwungen. Daneben hat Adam auch sein Bachelor-Studium im Bereich Ökonomie und Management abgeschlossen.

Weltmeisterschaft im Schwierigkeitsklettern und Bouldern:

  • 1. Platz im WM im Schwierigkeitsklettern (2014 und 2016)
  • 1. Platz im WM im Bouldern (2014)
  • 2. Platz im WM im Schwierigkeitsklettern (2009)
  • 2. Platz im WM im Bouldern (2011 und 2016)
  • 3. Platz im WM im Schwierigkeitsklettern (2011 und 2012)

Kletterweltcup im Schwierigkeitsklettern und Bouldern:

  • 1. Platz im Schwierigkeitsklettern (2009 und 2015)
  • 1. Platz im Bouldern (2010)
  • 3. Platz im Schwierigkeitsklettern (2010 und 2014)
  • 3. Platz im Bouldern (2015)

Daneben noch viele Preise aus Arco Rock Master, Europameisterschaften und anderen Wettkämpfen.

Pavel Blažek (41 Jahre alt)

Pavel Blažek ist ein Hobbykletterer und Unternehmer, außerdem auch noch ein Abenteurer, Fotograf, und ein geschickter Veranstalter, der gerne reist. In bestimmten Lebensphasen überwiegt dann die Tätigkeit, in der er in der Zeit den größten Sinn findet. Klettern ist sein Hobby seit er 15 war. Er lebte mehrere Jahren in Colorado, wo er, wenn er freie Zeit hatte, oft in die Rocky Mountains fuhr. Im Jahr 2010 hat er mit Václav Sůra den 700 km langen, gefrorenen See Bajkal in Sibirien überquert. Er nahm als Fotograf an der Expedition Gulag 2013 teil, bei der man die verlassenen Lager des Gulag erkunden hat. Pavel hat dort Fotos der Lager gemacht, die später zur Grundlage für das virtuelle Museum Gulag Online wurden. Daneben erstellt er Webseiten, widmet sich der Grafik und seinem Unternehmen, das Ständer herstellt und vermietet, die er selbst ausgedacht hat. Mit Adam hat sich Pavel zum ersten Mal wegen einer Ausstellung getroffen. Sie haben sich gut verstanden, und nach einer Reise nach Norwegen im Sommer 2016, hat Pavel auch bei der Reise nach Yosemite mitgemacht und war Adams Begleiter während des ganzen Aufstiegs auf Dawn Wall.

Zdroj:
Text Zuzana Musilova, photo and video Pavel Blazek